oreillyblog IT, Social Media & Geek Life von und mit O'Reilly-Büchern

Was ist Sass?

21.07.2016 ·Autor: · Veröffentlicht in Merkwürdige Begriffe, Technologie

Wir hatten da mal eine virtuelle Redaktionssitzung und herausgekommen ist das hier: Ein kurzer Wissensaustausch rund um das zügige modulare CSS-Basteln mit Sass.

Corina Pahrmann: Du, Alex?

Alexander Plaum: Jau, was gibt’s?

CP: Magst du vielleicht noch mal einen Erklärbär-Post schreiben?

AP: Nicht lieber was über Filme oder Games?

CP: Nee, komm… ein Fachbegriff.

AP: Na gut. Welcher?

CP: Wie wär’s mit Sass?

AP: Sass ist ziemlich cool. Und praktisch! Gibt’s jetzt schon fast zehn Jahre, kennen aber längst nicht alle.

CP: Ich weiß. Deswegen solltest du ja auch erklären, was das ist. 🙂

AP: Äh… Der Begriff ist ein Akronym und steht für „Syntactically Awesome Stylesheets“. Es geht also um Webdesign, genauer gesagt: Um eine aufgepimpte Version von CSS. Was CSS ist, wissen aber alle, oder?

CP: Klar, ich schätze schon.

Doku & Hintergrundinfos gibt's unter http://sass-lang.com/. Bild: Montage / sass-lang.com

Der US-amerikanische Designer Hampton Catlin entwarf Sass, als er gerade Anfang 20 war. Als Entwickler stiegen Natalie Weizenbaum und Chris Eppstein ein. Doku & Hintergrundinfos gibt’s unter http://sass-lang.com/. Bild: Montage / sass-lang.com

AP: Ok. CSS ist ja bekanntlich keine richtige Programmiersprache – und kommt eher repetitiv/unelegant daher. Und an dieser Stelle setzten Hampton Catlin und seine Mitentwickler an.

CP: Und zwar wie?

AP: Nun, Sass ermöglicht es, CSS mit Variablen, Funktionen, Loops und solchen Sachen zu erweitern. Es ist übrigens ein sogenannter Präprozessor.

CP: Das könntest du auch noch mal kurz erklären.

AP: Ein Präprozessor ist ein Programm, das eingehackte Daten „vorbereitet“ und dann an ein anderes Programm weitergibt. Du schreibst also schönen Sass-Code, und der wird später in CSS kompiliert. Das ist noch ein wichtiger Punkt: Es ersetzt keine Stylesheets auf dem Server, sondern erleichtert deren Erzeugung.

CP: Und der konkrete Nutzen?

AP: Man spart halt Zeit und Nerven und Code-Zeilen. In Sass kannst du zum Beispiel ganz oben im Code eine Variable für die „Hausfarbe“ deines Lieblingsdackelzüchtervereins erzeugen (nennen wir sie: $dachshund-color) und ihr einen Farbwert zuweisen, zum Beispiel #ff69b4. Dann baust du ganz normal dein Stylesheet zusammen, setzt aber überall dort, wo du die Farbe nutzen willst (Überschriften, Buttons etc.), nicht den Farbwert selbst ein, sondern die Variable. Wenn du später alles in CSS umwandelst, steht an allen gewünschten Stellen: #ff69b4. Und der Clou: Wenn sich die Hausfarbe noch mal ändert, musst du sie nicht 23x im CSS austauschen, sondern nur an einer einzigen Stelle in der Sass-Datei. Cool, was?

CP: Sass macht aus Webdesignern quasi Programmierer.

AP: So ist es. Und da gibt es eine Menge abgefahrene Features, die ich teilweise selber nicht verstehe und somit auch nicht ausführlicher erklären kann.

CP: Musst du auch nicht. Wir brauchen hier erst mal einen Einstieg.

AP: Glück gehabt. 🙂 Dazu fällt mir noch ein, dass Einsteiger vermutlich die SCSS-Syntax nutzen wollen („Sassy CSS“) – und nicht die „richtige“ Sass-Syntax. Letztere ist nämlich an Ruby angelehnt und damit eventuell gewöhnungsbedürftig. Ruby muss man aber in jedem Fall auf seinen Rechner packen – sonst gibt’s keine Super-Stylesheets. Noch Fragen?

CP: Ja, könntest du noch erwähnen, dass das Thema in unserer Neuerscheinung CSS Secrets ausführlicher behandelt wird?

AP: Hast du doch gerade schon gemacht.

CP: Ok, dann sind wir durch.

AP: Awesome!

Gerade noch im Lektorat, im Herbst in den Buchhandlungen: CSS Secrets

Gerade noch im Lektorat, im Herbst in den Buchhandlungen: CSS Secrets

Sag's weiter:

Neuerscheinung: PowerShell 5.0

11.07.2016 ·Autor: · Veröffentlicht in Bücher

„Kennen Sie erst einmal ein Cmdlet, dann kennen Sie alle“, schreibt unser Autor Tobias Weltner im frisch erschienenen Handbuch „PowerShell 5.0“. Übrigens ohne zu verschweigen, dass es bisweilen einige Höhenmeter zu überwinden gilt. Aber auch, dass es sich lohnt. 

Windows Powershell

1158 (Eintausend! Einhundert! Achtundfünfzig!) Seiten Windows-Automation für Einsteiger und Profis

Eine Konsole, in die man simple, unmissverständliche Befehle eintippen kann. Ohne Klickibunti, ohne langes Suchen in Menüs. Am besten weiß auf schwarz. Das dürfte wohl das Lieblingstool eines jeden Admins sein, und Windows-Admins sind da keine Ausnahme. (Wie sie dann aber etwas Konsolen-Finetuning fürs effiziente Arbeiten betreiben können, steht gleich am Anfang des Buchs.)

Klare Ansagen

Die PowerShell bietet genau dies: Man gibt Arbeitsaufträge – so genannte cmdlets – in die Kommandozeile und kann so Server konfigurieren, Files hin- und herschieben, Events loggen und überwachen, auf entfernte Rechner zugreifen und und und. Gerade, wenn Aufgaben immer wieder erledigt werden müssen, lässt sich durch das PowerShell-Skripten nicht nur Zeit sparen – die Automatisierung der Prozesse vermeidet schlichtweg auch Fehler, wie sie bei manueller Ausführung häufiger vorkommen können.

Wer bereits Erfahrung mit Kommandozeilen mitbringt, wird die PowerShell als überraschend zugänglich empfinden. Die Cmdlets bestehen aus dem Arbeitsauftrag plus Parametern, die den Befehl präzisieren. Beispiel:  

Get-Eventlog System -Entrytype Warning

–> liefert (get) alle Ereignisse vom Typ Warning (Entrytype Warning) aus dem Ereignisprotokoll (Eventlog) System.

Italienisch für Anfänger

PowerShell ist damit ähnlich einer Fremdsprache, bei der wir uns anfangs einen Grundstock an Vokabeln zulegen müssen – sicherlich Fleißarbeit, aber nicht überfordernd. „Dann aber steht man vor einer Steilwand“, schreibt Weltner in seiner Einführung zum Buch, „die autodidaktisch oft nur schwer zu meistern ist. Hier werden viele Grundlagen gelegt.“

PowerShell-Lernkurve

Die PowerShell-Lernkurve ist nicht linear, sondern baut auf gemeinsamen Standards auf. (Bild: Tobias Weltner/Ausschnitt aus dem Buch)

… und Fortgeschrittene

Klar: Um Espresso und Spaghetti zu ordern, genügen rudimentäre Italienischkenntnisse – je komplexer aber die Themen und Fragen, desto mehr Sprachgewandtheit ist gefordert. Weltner liefert auf knapp 1200 Seiten beides. Er beginnt mit dem Einstieg in die Befehle und schreitet dann fort mit den Vorzügen der PowerShell als objektorientierte Konsole, als Automationssprache sowie als Tool zur Remote Administration. Unter dem Schlagwort „DevOps und Enterprise“ erklärt er die PowerShell-Techniken Workflows und DSC, und schließt das Buch mit einem Ausflug in die Anwendungsentwicklung. Damit legt er ein extrem umfassendes Handbuch zum Lernen und Nachschlagen vor.

Der Antrieb

Skripting-Skills sind gefragt, daran bestehen nach dem Blick auf aktuelle IT-Stellenanzeigen kaum Zweifel. Admins sind heute nicht mehr nur die Herrscher über ein paar (physisch vorhandene) Rechner und Platten, sie dirigieren diverse virtuelle Server, spielen per Remote-Zugriff Updates ein, überwachen Logfiles, eliminieren schadhafte Prozesse. Und sie identifizieren und automatisieren Routineaufgaben. Weltner beobachtete gerade in den letzten 15 Jahren einen Wandel im Berufsbild IT-Professional und stellt fest: „Wer PowerShell am Ende fließend spricht, ist bestens aufgestellt für moderne IT-Landschaften.“*

Dabei bekommt Ihr das Know-how immer mit Praxisbezug geliefert, denn Weltner ist nicht nur Initiator der jährlichen Deutschen PowerShell Konferenz und mit 11 MVP-Auszeichnungen einer der gefragtesten PowerShell-Trainer und -Experten weltweit, er schrieb das Buch dort, „wo PowerShell im Unternehmen eingesetzt wird“ – und liefert daher auch immer Beispiele mit, die den konkreten Nutzen des Skriptens deutlich machen.

Wer Details wissen will, findet hier das fein aufgegliederte Inhaltsverzeichnis (PDF) sowie hier ein Probekapitel (PDF). Weitere Infos gibt es hier. Das Buch ist ganz aktuell für PowerShell 5.0, deckt aber auch die Vorgängerversionen ab 2.0 ab.

Und natürlich könnt Ihr auch bei Eurem örtlichen Buchdealer erst einmal blättern gehen – das Buch ist wie immer im gut sortierten On- und Offline-Buchhandel verfügbar.

*Auch der darauf folgende Satz Weltners sei an dieser Stelle geleakt: „Falls doch mal etwas schiefgeht, mag es Sie trösten, dass das wiederholte Schlagen mit der Stirn auf die Schreibtischoberfläche pro Stunde immerhin 68 Kalorien verbraucht.“ Na, denn.

 

Sag's weiter:

Die O’Reilly-Veranstaltungstipps im Juli

29.06.2016 ·Autor: · Veröffentlicht in Veranstaltungen

Sommerzeit, alle dürfen durchatmen: Bis Mitte Juli haben wir noch ein paar sehr feine Veranstaltungstipps für Euch – danach sind Ferien 🙂 Vorher lässt es sich aber noch hervorragend lokal/regional netzwerken, zum Beispiel auf dem Barcamp Rhein-Neckar oder beim Webmontag Frankfurt. Oder fachsimpeln beim Meet Magento (Tagesticket für Studis nur 45€!), auf der EuroPLoP (hier stimmt auch das landschaftliche Umfeld: Allgäu) oder auf dem TYPO3Camp Berlin (hier stimmt natürlich auch das Umfeld, sehr sogar. Aber leider gibt es nur noch eine Warteliste).

Und noch ein wichtiger Hinweis: Heute ist die zweite Ticketwelle für das Barcamp Köln gestartet. Schnell zugreifen, wir haben schon 🙂

Die Veranstaltungstipps en détail:

Veranstaltungstipps

Was? Barcamp Rhein-Neckar
Wann? 02.-03.07.2016
Wo? Heidelberg
Website
Hashtag: #bcrn16


Was? Meet Magento
Wann? 04.-05.07.2016
Wo? Leipzig
Website
Hashtag: #mm16de

„Ob du ein Onlinehändler bist, der den richtigen Partner für sein Business sucht, oder ein Entwickler, der sich in der Community beweisen und weiterentwickeln möchte“, sagte uns Annemarie Hache vom Orgateam, „allen rate ich, eine Meet Magento zu besuchen!“ – Neben Vorträgen gibt es ein Barbecue für Speaker und eine After-Show-Party für alle. Na denn 😉


Was? EuroPLoP
Wann? 06.-10.07.2016
Wo? Kloster Irsee/Bayern
Website
Hashtag: #EuroPLoP16


Was? TYPO3Camp
Wann? 08.-10.07.2016
Wo? Berlin
Website
Hashtag: #t3cb


Was? Webmontag #80
Wann? 11.07.2016
Wo? Frankfurt
Website
Hashtag: #wmfra

Unglaublich, wie fleißig diese Hessen sind: Schon achtzig Mal fand der Webmontag in Frankfurt statt. Wenn das kein guter Start in den Sommer ist …

Wie immer werden bei den genannten Veranstaltungen aktuelle O’Reilly- und dpunkt-Bücher ausgelegt, verlost und/oder Gimmicks verteilt. Bitte beachten: Einige Camps, Konferenzen, Workshops etc. sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kalenders (oder kurz danach) evtl. schon komplett ausgebucht.

Sag's weiter:

Ausgehtipp: Interactive Festival

27.06.2016 ·Autor: · Veröffentlicht in Veranstaltungen

Die digitale Transformation wird seit Monaten (Jahren) in allen Medien vom IT-Magazin bis zur Verbandszeitschrift zelebriert und auseinander genommen. Und natürlich ist die Digitalisierung all unserer Lebensbereiche auch immer wieder Thema bei verschiedenen Konferenzen, beispielsweise auch bei der von uns gerne besuchten re:publica. Dennoch: wo gibt es die Chance, das Ganze mal aufzusplitten und auf einzelne Sparten und Branchen konzentriert herunter zu brechen? Wirklich mal in die Tiefe zu gehen? Was sagen wir da – in Köln natürlich 😉

Interactive Festival

Ohne Camping, dafür nur Onliner: das Sommerfestival für alle, die sich mit digitalem Leben beschäftigen.

Die Kernthemen

Das Interactive Festival, Ende August zum nunmehr vierten Mal am Rhein, widmet sich unter dem Schlagwort „The Future of…“ folgenden Bereichen, die in verschiedenen Sessions und Workshops beackert werden:

#MobilityAndLogistics
Wie bewegen sich Menschen und Güter künftig durch die Welt? Wie sehen smarte Städte aus, und welche Verkehrsmittel gibt es? Eingebettet ist hier übrigens ein Pen & Paper Hackathon zur „Zukunft des Reisens“, organisiert vom Startplatz und HRS. Backpacker mit Coding-Skills sind hier perfekt aufgehoben, und andere Entwickler, Designer oder schlichtweg Reiseliebhaber auch.

#Money
Von E-Payment über die Abschaffung von Bargeld zu Crowdfunding: Dieser Track behandelt die Frage nach dem Aggregatzustand und den Flüssen von Geld in der Zukunft.

#Health (in Zusammenarbeit mit Creative.NRW)
Zählt Ihr Schritte per App? Schneidet Schlafrhythmus und Ernährung mit? Zu Risiken und Nebenwirkungen – aber auch Chancen – berät dieser Track. Und was die Digitalisierung in der Gesundheitsbranche sonst noch ermöglicht.

#RetailAndMarketing (in Zusammenarbeit mit der dmexco)
Hier geht es um Shopping: Wie kaufen wir ein, und vor allem wo? Was heißt das für die Werbung?

#Education
Vom Einsatz digitaler Tools und Gadgets im Unterricht bis hin zu verändertem Lernen an sich: An keinem Thema hängt unsere Zukunftsfähigkeit so sehr wie an der Bildung.

#DigitalVideo
In Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Digitale Wirtschaft, BVDW, wird u.a. Oliver Rosenthal von Google erwartet.

#InternetOfThings
Dauerbrenner-Thema, ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem BVDW.

Das Interactive Festival in Zahlen

Alle Sessions & Workshops für 2016 werden im Laufe des Julis bekanntgegeben. Screenshot: Interactive Festival

Immersive Days meet INTERACTIVE Festival

Oculus Rifts sah man zuletzt auf den meisten IT-Konferenzen. Bei den Immersive Days, die für einen halben Tag beim Interactive Festival Station machen, geht es darum, nicht nur in die Bilder einzutauchen, sondern sich auf die Suche zu begeben: Nach Antworten darauf, wie Virtual Reality und Augmented Reality tatsächlich unseren Alltag verändern und in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft wirken. Die Keynote bei diesem Veranstaltungsteil hält Kimberly Cooper (CEO & CO-Founder, Prologue Immersive), die extra aus Los Angeles anreist und konstatiert: „The power of VR will unleash our imaginations like never before.“

Was uns gefällt

Es sollen alle miteinander reden: Wirtschaft und Wissenschaft, Macher und Denker, Gründer kleiner Startups und Vertreter großer Konzerne. Programmleiter Ralph Christoph lud Speaker aus ganz unterschiedlichen Welten ein, und genauso divers soll das Publikum sein (der durchaus faire Ticketpreis von 150€ für zwei Tage spricht für sich). Kommen etwa Programmierer, Hacker, Künstler, Medienleute, Banker und Gründer zusammen, sind nicht nur bereichernde Diskussionen, sondern in der Konsequenz auch neue gemeinsame Ideen, Konzepte und Projekte zu erwarten. Wer sogar schon eine konkrete Businessidee hat: Eine Rheinland Pitch-Special Edition am Abend des 24. August ist ebenso dabei.

Interactive Festival meets Immersive Days

Auch dabei ist ein Augmented & Virtual Reality Event am 24. August (Immersive Days meet Interactive), das in Zusammenarbeit mit dem Ersten Deutschen Fachverband für Virtual Reality (EDFVR) realisiert wird. Foto: aus 2015, von ©Frank Schoepgens

Weiterlesen und -hören

Ein sehr hörenswertes Interview mit Ralph Christoph findet Ihr übrigens bei boydroid – inklusive Rückblick auf die Kölner Musikszene, die Musikindustrie generell, das Schicksalsjahr 2003 (goodbye VIVA, Spex und Popkomm) und die c/o pop.

Das Interactive Festival findet am 24./25. August 2016 bei der IHK in Köln statt. Tickets und mehr Infos findet Ihr unter interactive-cologne.com.  Parallel laufen das c/o pop Festival (24.-28.08.), die c/o pop Convention (25.-26.08.) und die SoundTrack_Cologne (24.-28.08.). O’Reilly & dpunkt unterstützen das Interactive Festival als Medienpartner.

Disclaimer: Unser oreillyblog-Autor Alex Plaum ist auch beim Interactive Festival aktiv. Das sorgte natürlich für Infos aus erster Hand, unsere Empfehlung kommt aber völlig unabhängig davon, aus ganzem Herzen und voller Überzeugung.

Sag's weiter:

10 gute Gründe, endlich Minecraft zu spielen

17.06.2016 ·Autor: · Veröffentlicht in Aus dem Verlag, Bücher, Gastbeiträge, Geekiges

Minecraft - Stefan P. in Aktion

Noch immer soll es da draußen Menschen an den Geräten geben, die in Sachen Minecraft völlig unbeleckt sind. Das ist ein unhaltbarer Zustand – findet zumindest unser Autor Stefan Pietraszak. Er liefert im Folgenden zehn Argumente dafür, das schwedische Klötzchenwunder endlich anzutesten. Dazu muss man das Spiel übrigens nicht einmal zwingend kaufen. Garantiert findet sich im Freundes- oder Familienkreis mindestens ein Minecraft-Enthusiast! Ein paar der guten Gründe tauchen bereits in Stefans schickem Querformater Das Buch zu Minecraft auf, weshalb er sich an entsprechender Stelle einfach selbst zitiert.

1. Minecraft kommt ohne Tutorial aus.

Wir werden in die virtuelle Welt geworfen – und müssen uns selbst zurechtfinden. Aus eigener Kraft erkunden und lernen, das ist der Kern von Minecraft. Manche mögen das glatt für einen Punkt *gegen* das Spiel halten, aber seien wir ehrlich: Ausufernde und erzwungene Tutorials nerven! Und ist es nicht auch erfrischend, von einem Computerspiel des 21. Jahrhunderts nicht für völlig blöd gehalten zu werden?

2. Minecraft bietet eine gigantische Spieltiefe.

„Bis wir alle Rezepte kennengelernt haben, vergeht einige Zeit, und selbst danach sind die Möglichkeiten der Kombinierbarkeit buchstäblich grenzenlos.“ Es gibt eine Fülle an Rohstoffen, Objekten, Tieren, Monstern, Pflanzen, … – sie alle kennenzulernen ist eine
Aufgabe für sich. Und tatsächlich: Alles erfüllt einen Zweck!

3. Minecraft bietet eine gigantische Spielbreite.

Die virtuelle Welt, die wir betreten, ist schier grenzenlos: Wer stur in eine Richtung läuft, wird die Grenzen der Spielwelt zu eigenen Lebzeiten nie erreichen (es *gibt* aus technischen Gründen eine Grenze, doch die liegt in astronomischer Ferne). Auf diesem Weg finden sich immer neue Landschaften: Berge, Hügel, Steppen, Tundra, Taiga, Wüsten, Ozeane; wir entdecken bewohnte Siedlungen und verlassene Bauwerke. Die (quasi-)zufällig erstellte Welt wirkt dabei immer organisch. Es gibt zwar wilde Klimasprünge, aber keine harten Grenzen zwischen den Landschaften. Das Wandern ist des Minecraftlers Lust!

Minecraft – Landschaft

Höchst pittoresk, diese Pixellandschaften! Doch die Idylle trügt…

4. Minecraft verfügt tatsächlich über eine tolle Optik.

„Die Texturen sind pixelig, aber das hat auch 2016 noch den gleichen Retro-Chic wie 2009. Die Objekte in der Welt sind denkbar simpel, doch dank weiter Sicht sieht es immer wieder beeindruckend aus.“ Die Grafik mag auf den ersten Blick schlicht wirken, aber sie ist weit mehr als nur zweckmäßig. Minecraft hat einen gänzlich eigenen Stil etabliert, der mittlerweile von zahlreichen Spielen mehr oder weniger dreist kopiert wurde, ohne dessen ästhetischen Gesamteindruck erreichen zu können.

5. Minecraft begeistert mit atmosphärischer Dichte.

Pixelkötzchen, Lichteffekte und Sound fügen sich mit der Oberfläche zu einem atmosphärischen Ganzen zusammen. Ein geruhsamer Ausflug durch die wechselnde Umgebung zu unterschiedlichen Tageszeiten, ein gruseliger Erkundungsgang durch dunkle Höhlensysteme – das Spiel macht es uns leicht, in die virtuelle Realität abzutauchen.

6. Minecraft überlässt es dem Spieler, Aufgaben und Ziele zu finden.

Erkunden, sammeln, bauen, überleben – so lassen sich die Säulen betiteln, auf denen das Spielprinzip von Minecraft ruht. Welche Säule wichtiger, welche unwichtiger ist, bleibt uns dabei selbst überlassen: Wer nicht gegen Monster kämpfen mag, schaltet den Schwierigkeitsgrad runter. Wer keine Rohstoffe ab-, aber trotzdem etwas aufbauen mag, wechselt in den „Kreativ“-Modus. Wer nicht erkunden will, bleibt an Ort und Stelle (oder lässt gleich die ganze Landschaft als endlose, flache Grasfläche erstellen). Wer kein Architekturprojekt starten will, lebt in einer Höhle. So viel Freiheit kann in anderen Fällen rasch zu Ermüdungserscheinungen führen („warum mache ich das alles?“), bei Minecraft sieht das anders aus. Man hat einfach Lust, Zeit in dieser Welt zu verbringen.

7. Minecraft ist gesellig.

Niemand muss in der Minecraft-Welt vereinsamen. Monster, Tiere, Dorfbewohner sind selten weit. Und für alle, die lieber mit echten Lebewesen interagieren möchten, gibt es den Multiplayer-Modus, der vielseitig nutzbar ist. Wir können mit anderen Spielern auf Erkundungtour gehen, mit ihnen Häuser bauen und Gefahren abwehren – oder Krieg gegen sie führen…

8. Minecraft hat einen Elektronikgrundkurs eingebaut.

Ein gut gehütetes Geheimnis ist das Lehrpotenzial des Spiels. Die verfügbaren Rohstoffe lassen quasi-elektronische Experimente zu. Erstellte Schaltkreise sind logisch und ziemlich realistisch, auch wenn als Basis das spieleigene Material „Redstone“ herhalten muss. „Im Prinzip sind diese [Redstone-Schaltkreise] recht einfach aufgebaut: Ein Sender macht seine Arbeit und sendet ein Signal über eine Verkabelung an einen Empfänger. Dieser Empfänger beginnt daraufhin seinerseits mit der ihm zugewiesenen Arbeit.“ Klingt simpel? Ist es auch. Allerdings lassen sich mit genug Material, Geduld und Planung nicht nur einfache Konstruktionen wie automatische Ernteanlagen bauen, sondern auch Aufzüge, Sortiersysteme und sogar richtige Computer.

Minecraft – Redstone-Schaltkreis

Ein Redstone-Schaltkreis.

9. Minecraft animiert zu Tüfteleien in der realen Welt.

Im lokalen Netz kann das eigene Spiel jederzeit für andere Teilnehmer geöffnet werden, aber praktischer (und cooler) ist natürlich ein eigener Server, der (mit etwas Aufwand) auch von extern erreichbar ist. Dafür muss natürlich die geeignete Hardware gefunden bzw. gebastelt und das System sinnvoll eingerichtet werden. Minecraft macht uns en passant zum Admin!

10. Minecraft ist das perfekte Creative Outlet.

Ganz gleich, ob wir extravagante Häuser entwerfen beziehungsweise gleich ganze Städte anlegen, minimalistische Kunstobjekte und Retro-Pixel-Art produzieren oder ein virtuelles Elektronikprojekt realisieren: Die Minecraft-Welt liefert eine fantastische Spielwiese für unsere Kreativität.

minecraft_stefanStefan Pietraszak ist Systemadministrator für die meisten Germanistischen Institute an der RWTH Aachen, Video- und Brettspieler – und manchmal auch Buchautor. Neben Das Buch zu Minecraft hat er für O’Reilly auch Das Buch zu Raspberry Pi und Linux geschrieben.

 

 

 

Sag's weiter: